Umsatz und Auftragseingang auf Rekordhoch. Die Profitabilität bleibt eine Herausforderung.

Der Konzern verzeichnet weiterhin ein robustes Wachstum. Operationelle Herausforderungen in einzelnen Bereichen schmälern jedoch den Ertrag. Der starke Anstieg des Auftragseingangs zeigt, dass RUAG für die anstehende Entflechtung gut gerüstet ist....

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Einem Rekordumsatz von CHF 1998 Mio. (+2.2 %) und einem Rekordauftragseingang von CHF 2221 Mio. (+13.3 %) stehen ein EBIT von CHF 106 Mio. (–10.8 %) und eine Rentabilität von 5.3 % (Vorjahr 6.1 %) gegenüber. Positiv entwickelte sich der Free Cash Flow, der von CHF – 59 Mio. auf CHF 94 Mio. anstieg. Auch die Netto-Finanzposition konnte von CHF 77 Mio. auf CHF 134 Mio. gesteigert werden. Der Verwaltungsrat beantragt eine Dividendenauszahlung an die Eidgenossenschaft von CHF 30 Mio. (Vorjahr CHF 40 Mio.).

Der Rückgang des EBIT ist mehrheitlich auf die operativen Herausforderungen in der Division Aerostructures zurückzuführen – sowohl auf allgemeine Kapazitätserweiterungen als auch auf den Ausbau des Standortes in Ungarn. Negativ wirkten sich weiter Aufwendungen im Umfang von knapp CHF 5 Mio. für die Vorbereitung der Entflechtung, Belastungen in der Höhe von CHF 7 Mio. für eine Straffung des Produktportfolios bei der Division Ammotec sowie Kosten für die Schliessung der Wartungsaktivitäten für zivile Flugzeuge in Bern-Belp in der Höhe von CHF 4 Mio. aus.

Massnahmen und Programme zur Steigerung der Rentabilität wurden weiter verstärkt, sowohl in der Fertigung als auch in den Supportbereichen. Im Geschäftsjahr wurden Kosteneinsparungsprogramme ergänzt, Einstellungsstopps verhängt und der Standort Bern-Belp geschlossen. Die kontinuierliche, nachhaltige Verbesserung der Profitabilität steht auch in Zukunft im Fokus.

Zum Umsatzwachstum trugen mit Aerostructures, Ammotec, Defence und Space vier der fünf Divisionen bei. Einzig die Division Aviation verbuchte einen leichten Rückgang. Die grössten Steigerungen wurden im Geschäft mit Munition für Armeen und Behörden und im Flugzeugstrukturbau mit dem Single-Aisle-Programm von Airbus erzielt.

Der Anteil der im zivilen Bereich erwirtschafteten Umsätze beläuft sich weiterhin auf 56 %, der Auslandsanteil beträgt unverändert 62 %. Klar wichtigster Kunde bleibt das VBS mit einem Umsatzanteil von 30 % (Vorjahr 31 %). Die Zahl der Vollzeitstellen sank per Ende Jahr auf 9127 (Vorjahr 9189).

Divisionale Entwicklung

Unterschiedlich präsentieren sich auch die Ergebnisse der einzelnen Divisionen. Space und Ammotec konnten abgesehen von Einmaleffekten ihre Ziele erreichen oder sogar übertreffen. Im Weltraumgeschäft wurde der Rückgang in Europa durch einen Ausbau der Aktivitäten im US-Markt ausgeglichen. Dort konnte die Division Space einen wichtigen Meilenstein erreichen: In Decatur, Alabama, wurde die erste für den Weltraumeinsatz bestimmte Nutzlastverkleidung fertiggestellt. Sie wird 2020 mit einer Atlas-V-Rakete für eine Missionder US-Regierung den Erstflug absolvieren. Das neue Werk wird dann alle Qualifikationen für die Produktion erlangt haben.

Der Division Ammotec gelang es, den rückläufigen Weltmarkt im Segment Jagd & Sport durch ein starkes Wachstum im Segment Armee & Behörden mehr als wettzumachen. Neben mehr Aufträgen des VBS konnte die Division überdurchschnittlich von den Steigerungen der Verteidigungsbudgets der europäischen NATO-Staaten profitieren. Aus dem insgesamt sehr erfolgreichen Armee-und- Behörden-Geschäft der Division Ammotec stechen die Neuaufträge für das Österreichische Bundesheer heraus.

Der Division Defence gelang im Vergleich zum herausfordernden Vorjahr eine markante Steigerung. Dazu trugen alle drei Geschäftsbereiche bei. Unter den Neuaufträgen der Division Defence stechen zwei Verträge mit der Schweizer Armee hervor. Die Erneuerung des Breitband-Übertragungssystems (BBUS) der Schweizer Armee erreicht über die gesamte Projektdauer bis 2021 ein Volumen im zweistelligen Millionenbereich. Die Projektlaufzeit für die Entwicklung und Herstellung von insgesamt 14 containerbasierten Desinfektions und Sterilisationssystemen ist bis 2022 ausgelegt. Beide Aufträge wurden in Konkurrenz gewonnen.

Unter den Erwartungen blieben die Ergebnisse der Divisionen Aerostructures und Aviation. Für die Division Aviation entwickelte sich der Heimmarkt mit dem 5-Jahres-Service-Level-Agreement und den verschiedenen Werterhaltungsprogrammen für die Schweizer Luftwaffe zwar erfreulich. Zudem gewann die Division Aviation einen zukunftsweisenden Auftrag zum Abschluss des Jahres: Bis Mitte 2022 werden acht Cougar-Transporthelikopter der Schweizer Luftwaffe rundumerneuert. Die Bereiche Business Aviation und Dornier 228 sahen sich jedoch mit anhaltenden Herausforderungen konfrontiert. So musste Business Aviation aufgrund einer zu tiefen Auslastung und wegen auslaufender Wartungsverträge der lokalen Fluggesellschaft SkyWork Airlines den Standort Bern-Belp schliessen. Unter dem Strich waren sowohl der Umsatz als auch der EBIT der Division rückläufig.

Das Ergebnis der Division Aerostructures wurde primär durch die Erhöhung der Produktionsrate im Airbus-Single-Aisle-Programm bestimmt. Sie führte einerseits zu einer erheblichen Umsatzsteigerung, andererseits resultierte durch den damit nötigen Kapazitätsausbau und die Mehraufwendungen beim Hochlauf der Serienfertigung ein markant negatives Betriebsergebnis. Positiv für die zukünftige Entwicklung der Division zeigten sich die per Ende Jahr abgeschlossene Verlagerung von Arbeitspaketen in das ungarische Eger sowie die Inbetriebnahme der neuen Oberflächenbehandlungsanlage in Emmen, die künftig als Service Provider auch externe Aufträge gewinnen soll. Um die Profitabilität der Division langfristig zu gewährleisten, wurden an allen drei Standorten von Aerostructures – in Emmen, Oberpfaffenhofen (DE) und Eger (HU) – umfangreiche Massnahmen zur Kostensenkung und Produktivitätssteigerung in die Wege geleitet.

Entflechtung

Grundlegend für die weitere Entwicklung von RUAG ist die im März und Juni 2018 durch den Bundesrat im Grundsatz beschlossene Entflechtung. Damit wird der Konzern per 1. Januar 2020 in zwei eigenständigen Unternehmen organisiert. Die beiden RUAG Divisionen Aviation und Defence werden per Anfang 2019 ihren Tätigkeitsgebieten entsprechend in die beiden neuen Unternehmensteile mit den Arbeitstiteln «MRO Schweiz» und «MRO International» eingegliedert. Die Führung von «MRO Schweiz» wird vom bisherigen CEO von RUAG Defence, Andreas Berger, übernommen. «MRO International» wird von Felix Ammann geleitet, dem bisherigen Vice President Supply Chain bei RUAG Aviation. Beide werden bis zum Abschluss der Entflechtung an Urs Breitmeier, CEO RUAG, berichten.

Zudem werden die überwiegend zivilen und die internationalen Geschäftstätigkeiten von RUAG in einem zweiten Unternehmen mit dem Arbeitstitel «RUAG International» gebündelt. Weitere Einzelheiten der Strategie werden nach erfolgten Bundesratsentscheiden zur Detailplanung 2019 festgelegt.

Mit der Entflechtung begegnet der Bundesrat aber auch einer Forderung der Eidgenössischen Finanzkontrolle, die von RUAG verlangt, eine transparente Rechnungslegung nach Kundengruppen vorzulegen und die Gewinnmargen entsprechend getrennt auszuweisen. Damit findet ein Paradigmenwechsel statt, galt doch in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Maxime, Synergien zwischen dem zivilen und dem militärischen Drittgeschäft mit dem Schweizerischen Militärgeschäft zu generieren.

Neue Köpfe und Aktivitäten

Im Verwaltungsrat und auch im Management von RUAG fanden 2018 mehrere personelle Wechsel statt. Der Übergang vom langjährigen Verwaltungsratspräsidenten Hans-Peter Schwald zu Dr. Remo Lütolf verlief nahtlos. Um die Entflechtung möglichst wirksam begleiten zu können, erklärte Dr. Remo Lütolf sich bereit, sein Pensum interimistisch von 30 auf 50 % zu erhöhen. Die Aerospace-Kompetenz im Verwaltungsrat stellt neu Dr. Marie-Pierre de Bailliencourt sicher. Damit ist auch die französische Sprache im Verwaltungsrat vertreten und der Frauenanteil liegt bei über 30 %. Eine interne Nachfolge konnte für die Leitung der Division Aerostructures gefunden werden. Der bisherige Senior Vice President und Leiter Programs & Sales, Dirk Prehn, wurde per 1. Juli zum CEO bestimmt.

Um die vielfältigen Umsetzungsaktivitäten der Entflechtung zu koordinieren und einen möglichst reibungslosen Übergang in die neuen Strukturen sicherzustellen, wurde ein Project Office unter der Leitung eines Senior Vice President Transition Project geschaffen. Ein besonderes Gewicht erhalten in diesem Zusammenhang auch die Beziehungen zu den verschiedenen Gremien des Bundes. Durch die 2017 neu geschaffene Position des Vice President Eignerbeziehungen konnten 2018 die Verbindungen zum Alleinaktionär Bund nachhaltig stabilisiert und verbessert werden.

Verstärkt wurde dabei auch die Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK). Diverse Audits wurden bestanden und RUAG unterstützt die Arbeit der EFK vollumfänglich. In einem Medienbericht wurden Vorwürfe erhoben, wonach der Konzern dem VBS zum Teil überhöhte Rechnungen stelle. Auf Antrag von RUAG wird die EFK im ersten Halbjahr 2019 eine zusätzliche Prüfung vornehmen, um vollständige Klarheit zu schaffen.

Sehr konsequent wurde 2018 der Auf- und Ausbau der Compliance vorangetrieben. Der Fokus der vielfältigen Aktivitäten lag dabei auf dem Drittparteienmanagement, der Trade Compliance und dem Schutz von personenbezogenen Daten. Unter anderem zeigt der Anstieg der Meldungen an die 2016 geschaffene Whistleblower-Stelle, dass sowohl Mitarbeitende als auch Externe Vertrauen in die Compliance-Prozesse von RUAG haben. Missstände und Fehlverhalten werden konsequent verfolgt und, falls nötig, geahndet.

Ausblick

Für das Jahr 2019 rechnet RUAG insgesamt mit einer stabilen Weiterentwicklung. Wachstum erwartet der Konzern im Flugzeugstrukturbau und im Munitionsgeschäft mit Armeen und Behörden. Von den wachsenden Verteidigungsbudgets kann RUAG allerdings nur beschränkt profitieren, da die Schweiz an keinem der europäischen Programme zur Entwicklung neuer Systeme beteiligt ist. Genauso wird sich auch die weltweit beobachtete Steigerung der Verteidigungsbudgets nur zum Teil in ein Umsatzwachstum umsetzen lassen. Das Unternehmen ist gegenüber seinen internationalen Mitbewerbern durch die strikten Schweizer Exportbestimmungen und die weitergehenden Auflagen des Eigners limitiert.

Im Geschäft mit der Schweizer Armee erwartet RUAG weiterhin stabile Umsätze. Die verschiedenen Service Level Agreements legen eine langfristige Basis für weitere Effizienzsteigerungen. Diese kommen beiden Partnern zugute. Im Weltraumgeschäft geht RUAG dank des erfolgreichen Aufbaus eigener Produktionskapazitäten von einem weiteren Wachstum im US-Markt und im Bereich der sogenannten New-Space-Anwendungen aus. Dadurch sollte der erwartete Rückgang in den europäischen Programmen ausgeglichen werden können.

Ein übergeordnetes Ziel stellt in den kommenden Jahren die nachhaltige Verbesserung der Kostenbasis dar. Dafür werden die Programme, mit denen Produktivität und Effizienz in allen Geschäftseinheiten laufend gesteigert werden, mit Nachdruck weiterverfolgt. In den Geschäftseinheiten, in denen der Erfolg hinter den Zielvorgaben zurückliegt, werden konsequent zusätzliche Massnahmen eingeleitet, um die Kosten zu senken. Ihre volle Wirkung sollen diese Programme nach Abschluss der Entflechtung im Jahr 2020 entfalten.

Im Juni 2018 hat der Bundesrat das vom Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung erstellte Entflechtungskonzept genehmigt. Darauf aufbauend wurde im Berichtsjahr eine Detailplanung für die Umsetzung ausgearbeitet. Über diese wird der Bundesrat voraussichtlich im Frühjahr 2019 entscheiden. Sie wird erhebliche Ressourcen benötigen. Insgesamt wird mit Kosten von rund 70 Mio. gerechnet, wovon rund CHF 50 Mio. im Jahr 2019 anfallen.

Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung sind überzeugt, dass RUAG gut aufgestellt ist, um die technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen auch in Zukunft meistern zu können. Wir freuen uns darauf, auf der einen Seite die zuverlässige, transparente und wirtschaftliche Versorgung der Schweizer Armee jederzeit sicherzustellen und auf der anderen Seite die Entwicklung des Zivil- und Auslandsgeschäfts als agiler und kompetitiver globaler Anbieter gemeinsam mit unserem Aktionär, unseren Kunden, unseren Partnern und unseren Mitarbeitenden voranzutreiben. Wir danken Ihnen allen für Ihre Treue, das Vertrauen, die Zusammenarbeit und Ihren Einsatz.

 RUAG Holding AG

sig. Dr. Remo Lütolf
Verwaltungsratspräsident

sig. Urs Breitmeier
CEO RUAG Konzern